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Nachgelagerte Marktteilnehmer und Händler unter der EUDR: Definition, Rollen und Pflichten

Wer EUDR-Produkte bei einem Lieferanten in der EU kauft, gibt keine eigene Sorgfaltserklärung ab, ist aber auch nicht pflichtenfrei. Welche Angaben Sie ab dem 30. Dezember erfassen müssen, was der erste Abnehmer zusätzlich tun muss und was für Nicht-KMU gilt, erklären wir mit drei Praxisbeispielen.

Stand: November 2026.

Die meisten Unternehmen, die mit Holz, Papier, Möbeln oder anderen EUDR-Produkten arbeiten, importieren nicht selbst. Sie kaufen bei Lieferanten in der EU. Für sie hat die Änderungsverordnung 2025/2650 die Pflichten deutlich vereinfacht: Wer nachgelagert ist, gibt keine eigene Sorgfaltserklärung ab. Ganz ohne Pflichten bleiben Sie aber nicht.

Wer ist nachgelagert?

Marktteilnehmer im Sinne der EUDR ist, wer ein relevantes Produkt erstmals in der EU in Verkehr bringt oder ausführt, also typischerweise der Importeur. Er übt die Sorgfaltspflicht aus und gibt die Sorgfaltserklärung ab.

Nachgelagert sind alle, die danach mit dem Produkt arbeiten:

  • Nachgelagerte Marktteilnehmer stellen aus bereits erfassten Produkten ein neues relevantes Produkt her, zum Beispiel ein Möbelhersteller, der Schnittholz eines EU-Händlers verarbeitet.
  • Händler verkaufen das Produkt unverändert weiter, zum Beispiel ein Großhändler oder Einzelhändler.

Was alle nachgelagerten Akteure tun müssen

  1. Angaben zu Lieferanten und Kunden erfassen: Name und Anschrift Ihrer direkten Lieferanten und Ihrer gewerblichen Kunden.
  2. Fünf Jahre aufbewahren: Diese Angaben müssen Sie mindestens fünf Jahre vorhalten und der Behörde auf Anfrage vorlegen (Art. 5 Abs. 3 und 4).
  3. Keine eigene Sorgfaltserklärung: Sie müssen weder die Sorgfaltspflicht wiederholen noch eine eigene Erklärung abgeben.

Was zusätzlich für den ersten nachgelagerten Akteur gilt

Wer direkt beim Marktteilnehmer kauft, ist das wichtigste Glied: Er muss die Referenznummer der Sorgfaltserklärung seines Lieferanten einholen, spätestens bei der Lieferung, und zusammen mit den übrigen Angaben aufbewahren. Weiter unten in der Kette wird die Nummer nicht mehr weitergegeben. Liefert Ihr Lieferant keine Referenznummer, sollten Sie die Ware nicht weiterverkaufen, bis die Frage geklärt ist.

Was zusätzlich für Nicht-KMU gilt

Große Unternehmen haben zwei weitere Pflichten:

  • Registrierung im EU-Informationssystem, bevor sie Produkte erstmals bereitstellen oder ausführen.
  • Hinweispflicht: Erfahren sie von Umständen, die auf Verstöße hindeuten, müssen sie die zuständige Behörde unverzüglich informieren.

Ob Sie ein KMU sind, richtet sich nach der EU-Bilanzrichtlinie (2013/34/EU).

Ab wann gilt das?

  • 30. Dezember 2026: für große und mittlere Unternehmen sowie für Klein- und Kleinstunternehmen, deren Produkte bereits unter die EU-Holzhandelsverordnung fielen (Holz, Papier, Möbel).
  • 30. Juni 2027: für alle übrigen Klein- und Kleinstunternehmen.

Drei Beispiele

Ein mittelständischer Möbelhersteller mit 800 Beschäftigten kauft Spanplatten bei einem deutschen Händler, der sie aus Polen importiert. Der Händler ist Marktteilnehmer und gibt die Sorgfaltserklärung ab. Der Möbelhersteller ist erster nachgelagerter Akteur: Er holt die Referenznummer ein, bewahrt sie mit den Lieferanten- und Kundendaten fünf Jahre auf und registriert sich als Nicht-KMU im Informationssystem.

Ein Möbelhaus kauft die fertigen Möbel aus dem ersten Beispiel beim Hersteller und verkauft diese an Endkunden weiter. Das Unternehmen ist Händler, aber nicht der erste Abnehmer nach dem Marktteilnehmer. Eine Referenznummer muss es deshalb nicht einholen. Es erfasst Name und Anschrift des Möbelherstellers und gegebenenfalls seiner gewerblichen Kunden und bewahrt sie fünf Jahre auf. Weil es kein KMU ist, registriert es sich außerdem im EU-Informationssystem.

Eine Druckerei importiert ihr Papier selbst aus Brasilien. Sie ist für dieses Papier selbst Marktteilnehmer und muss die volle Sorgfaltspflicht erfüllen, inklusive Risikobewertung. Mehr dazu in unserem Beitrag EUDR-Risikobewertung.

Typische Stolperfallen

  • Die eigene Rolle falsch einschätzen. Wer auch nur einen Teil seiner Ware selbst importiert, ist für diesen Teil Marktteilnehmer.
  • Referenznummern nicht systematisch erfassen. Erfassen Sie die Nummer schon bei der Bestellung oder im Wareneingang, nicht erst bei einer Kontrolle.
  • Die Registrierung vergessen. Nicht-KMU müssen sich vor dem 30. Dezember registrieren.

Unsicher, welche Rolle Sie haben? Der EUDR-Check zeigt es Ihnen in wenigen Minuten. [Zum EUDR-Check →]

Quellen: Verordnung (EU) 2023/1115 in der Fassung der VO (EU) 2025/2650; Leitfaden der Kommission zur EUDR (2026); FAQ der Kommission zur EUDR.

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